Betroffen sein...

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Kirchspiel Bühl-Vimbuch von 1965 bis 1990 und in Bühl-Weitenung durch den damaligen "Seelsorger" N.N.

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

herzlich willkommen auf unserer Website.


Sie werden wahrscheinlich über unsere Pressearbeit, über einen Hinweis von Bekannten oder Freunden oder durch sonstige Hinweise auf uns aufmerksam geworden sein.


Mit dem Titel unserer Website wollen wir darauf aufmerksam machen, dass es verschiedene Arten von Betroffensein gibt:
Zum einen kann man als Außenstehender von einem Geschehen in der Gegenwart oder in der Vergangenheit erfahren und davon betroffen sein im Sinne von Mitfühlen.
Zum anderen ist man als Betroffener direkt durch das Geschehen oder das Geschehene in Mitleidenschaft gezogen worden, also direkt betroffen.
Sekundär-Betroffene leben im Umfeld eines direkt Betroffenen und sind dadurch ebenfalls gefährdet.

Wir sind eine Gruppe Betroffener aus dem Kirchspiel Bühl-Vimbuch, (bestehend aus den Gemeinden Bühl-Vimbuch, Bühl-Balzhofen, Bühl-Oberbruch und Bühl-Oberweier) die unter dem in den Jahren 1965 bis 1990 im Kirchspiel tätigen "Seelsorger" N.N. zu leiden hatten.

Im April 2023 wurde der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe "Machtstrukturen und Aktenanalyse" der GE-Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Freiburg vorgestellt.
Darin wurden 24 Fälle sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Freiburg untersucht (Fälle A bis X).
Link zum Abschlussbericht:      Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Freiburg   
(Fall O beginnt auf Seite 480 des Berichtes)

Wir denken, dass der Fall O, der bei der Vorstellung des Abschlussberichtes in einer Pressekonferenz als exemplarischer Fall vorgestellt wurde, unter anderem das Kirchspiel Bühl-Vimbuch betrifft.
Link zur PK vom 18.04.2023:     Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Freiburg 

 

Wir als Betroffenengruppe wollen eine Anlaufstelle für alle diejenigen sein, die selbst nach so vielen Jahren das Bedürfnis haben, sich mit anderen Betroffenen endlich auszutauschen.

Auch möchten wir eine Aufarbeitung im Kirchspiel Vimbuch angehen, wobei wir auch das Erzbistum Freiburg in der Pflicht sehen.  Mit dessen Ordinariat finden Gespräche statt, teilweise im Beisein Verantwortlicher aus dem Kirchspiel Vimbuch und Weitenung. Das lässt uns hoffen, einen Weg zur Aufarbeitung zu finden.

 
Was bedeutet Aufarbeitung? 
 
Aufarbeitung soll vergangenes Unrecht aufdecken. Am Beginn von gesellschaftlicher Aufarbeitung stehen die Erfahrungen der Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend von sexueller Gewalt betroffen waren. Aufarbeitung will klären, welche Strukturen sexualisierte Gewalt ermöglicht haben, warum sexueller Kindesmissbrauch vertuscht und verschwiegen wurde und Wege aus diesem Schweigen aufzeigen. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Benennung der strukturellen Rahmenbedingungen. Aufarbeitung kann eine juristische Aufklärung von Straftaten oder die individuelle Verarbeitung des Traumas in einer Therapie nicht ersetzen. Gesellschaftliche Aufarbeitung macht jedoch das Unrecht der Vergangenheit zum Thema der Gegenwart. Aufarbeitung zielt auf ein besseres Verständnis der Gesellschaft für die Dimensionen sexuellen Kindesmissbrauchs, damit Kinder in Zukunft sicher leben können. 


Weshalb sollte sexueller Missbrauch unbedingt aufgearbeitet werden?

 

Je jünger die Opfer sind und je häufiger eine Missbrauch stattgefunden hat, desto wahrscheinlicher entstehen Traumafolgestörungen. Erleben die Opfer Übergriffe am eigenen Körper, hinterlässt dies tief Spuren in der Seele.  Das Gehirn zerlegt die Erinnerung an die schlimmen Erlebnisse als Schutzfunktion oft in Einzelteile, so dass das Bewusstsein nicht mehr auf die ganze Erinnerung zurückgreifen kann. Deshalb können bei Missbrauchsopfern Symptome auftreten, die zunächst nicht mit dem Missbrauch in Verbindung gebracht werden.

Besonders in jenen Fällen, wo die Täter für den Schutz und die Sicherheit der Betroffenen verantwortlich waren, wird das Vertrauen in andere oft nachhaltig zerstört. Das schlimme Erleben macht sprachlos. Auch in späteren Jahren kann es noch immer schwer sein, über eigene Gefühle und das traumatische Erleben zu sprechen.

Die meisten Opfer werden von Schuld- und Schamgefühlen geplagt. Auch Ängste spielen eine große Rolle.

Traumatische Erlebnisse haben weitreichende Folgen. Unverarbeitet können sie als transgenerationale Traumata an Kinder, Enkelkinder und die Gesellschaft (z. B. die Dorfgemeinschaft) übertragen werden. Es liegen zunächst traumatische Erfahrungen einer Person oder auch einer Gruppe zugrunde. Oft sind diese Traumata nicht bewusst, werden als solche gesellschaftlich nicht anerkannt, sind mit Schuldgefühlen und Scham belegt und deshalb ein Tabuthema. Betroffene erhalten keine angemessene Unterstützung durch das soziale und gesellschaftliche Umfeld. Doch ohne Aufarbeitung gibt es keine Befriedung und Gerechtigkeit.