UNSERE GRUPPE

Wir sind eine Gruppe von Betroffenen innerhalb des Kirchspiels Bühl-Vimbuch, die im Zeitraum von 1965 bis 1990 unter sexuellem Missbrauch durch den damaligen "Seelsorger" N.N. zu leiden hatten und der uns immer noch beschäftigt.

  • Vor allen Dingen möchten wir als Gruppe anderen Betroffenen, die sich kaum oder nie über den erlebten Missbrauch ausgetauscht haben, eine erste Anlaufstelle sein. 
  • Ein anderes Ziel ist es, eine Aufarbeitung in Bühl-Vimbuch auf den Weg zu bringen, nachdem jahrzehntelang sowohl vom Erzbistum Freiburg als auch vom Kirchspiel Vimbuch kaum  Versuche in diese Richtung gemacht wurden. Wir wissen, dass das Thema mit Scham, Angst und Schuldgefühlen besetzt ist. 
  • Es geht uns nicht um Schuldzuweisung, sondern um die Aufarbeitung des Geschehenen.
  • Was wir nicht können, ist, psychologische oder therapeutische Hilfestellungen zu geben. Wir haben jedoch Kontakte zu Fachstellen, die helfen können.

       

 

Das Kirchspiel Vimbuch besteht aus den Gemeinden Bühl-Vimbuch als Hauptgemeinde, Bühl-Balzhofen, Bühl-Oberbruch sowie Bühl-Oberweier, die der damalige "Seelsorger" betreute. 
Später kam noch Bühl-Weitenung zu den betreuten Gemeinden aus dem Kirchspiel hinzu. 
(1980 bis 1990)

Die Dimensionen des 25! Jahre andauernden Missbrauchs sind kaum vorstellbar. Man vermutet eine Anzahl von mindestens 300 Betroffenen, wir denken, dass es eher mehr sind. 
Wir damaligen Kinder und Jugendlichen waren sowohl von leichtem bis zu sehr schwerem Missbrauch betroffen.
Dabei kam von verbalem Missbrauch über psychischen bis zu physischem Missbrauch  die ganze Bandbreite vor.

In unserer Gruppe besteht ein breites Spektrum von Jahrgängen zwischen 1958 und ca. 1980.
(Überwiegend männliche Betroffene, wobei uns bewusst ist, dass es auch viele weibliche Betroffene gibt). 

Einzelne von uns traten in 2023 bzw. Anfang 2024 an die Leitung der Seelsorgeeinheit Bühl/Vimbuch mit dem Wunsch heran, eine Aufarbeitung im Kirchspiel Bühl-Vimbuch und in Bühl-Weitenung anzugehen und Fragen beantwortet zu bekommen, nachdem in den letzten 35 Jahren, seit der Versetzung des Täters in 1990 in dieser Hinsicht wenig bis gar nichts geschah.
Dieser Wunsch stieß bei der Seelsorgeeinheit Bühl/Vimbuch leider nicht auf offene Ohren. 
So wendeten sich wiederum Einzelne von uns an den ehemaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden , der jeweils viele Fragen zu den damaligen Geschehnissen um die Versetzung des  N.N. in 1990
beantworten konnte. Er stellte auch die Verbindungen zwischen den am Anfang drei ihm bekannten Betroffenen her und so entstand unsere Gruppe. Inzwischen ist diese auf neun Personen angewachsen.

In der Folge bemühten wir uns auch um Kontakte zum Ordinariat Freiburg, mit dem wir nun in der Zwischenzeit Gespräche unter der Begleitung eines Mediators führen, um einen Weg für die Aufarbeitung zu suchen. Auch sind Verantwortliche aus dem Kirchspiel Bühl-Vimbuch und aus Bühl-Weitenung an den Gesprächen beteiligt.
Wir sind übrigens die ersten Betroffenen im Erzbistum Freiburg, die sich als Gruppe gefunden haben und eine Aufarbeitung angehen wollen.
 

Wir haben festgestellt, dass gerade bei den Jahrgängen, bei denen der Renteneintritt bevorsteht oder die schon seit einiger Zeit in Rente/Pension sind, die Thematik des Missbrauchs wieder verstärkt an die Oberfläche drängt. Man hat mehr Zeit und kann sich nicht mehr unbedingt durch die tägliche Arbeit ablenken. Aber auch bei Jahrgängen, die noch voll im Berufsleben stehen und damals Missbrauch erleben mussten, kämpfen viele immer noch damit.
Viele Betroffene haben die Geschehnisse auch verdrängt und wollen nicht mehr daran erinnert werden. Jede(r) Einzelne geht anders mit dem Erlebten um.
Teilweise weiß die eigene Familie nicht, dass ein Mitglied (meistens der Vater, aber evtl. auch die Mutter) Missbrauchsopfer von N.N. war. Auch haben einige bis heute wenig oder gar keine Therapie in Anspruch genommen.

Wir respektieren all jene, die sich nicht melden wollen und für sich einen Weg gefunden haben, mit dem Missbrauch umzugehen. 

Rückblickend kann man sagen, dass wir als Kinder, die wir damals waren, nie eine reelle Chance hatten, gehört und geschützt zu werden.
Die damalige, heute nicht mehr verständliche Sichtweise, dass der Pfarrer im Ort auf einem unerreichbar hohen Sockel stand und somit unantastbar war, verhinderte, dass Erwachsene, Eltern und Verwandte und sonstige Personen, die Bescheid um das unsägliche Treiben von N.N. wussten, eingriffen. Niemand traute sich damals, den Täter anzuzeigen.

Wir kritisieren insbesondere, dass sich das Erzbistum Freiburg die ganzen zurückliegenden Jahre nicht an die betroffenen Gemeinden wie eben das Kirchspiel Vimbuch gewandt und versucht hat,  die Geschehnisse vor der Pfarrgemeinde klarzustellen und durch Aufklärung über die Taten des  N.N. die Öffentlichkeit zu informieren. Ganz zu schweigen davon, eine Aufarbeitung zusammen mit dem Kirchspiel Vimbuch anzugehen. 
Auch dass das Kirchspiel Vimbuch die letzten Jahrzehnte von sich aus keine Anstalten gemacht hat, die unvorstellbare Dimension dieses 25! Jahre andauernden Missbrauchs aufzuarbeiten, ist nicht nachzuvollziehen.

Wir Betroffenen, damals Kinder, waren in dieser Gemeinde getauft, wir waren Ministranten , Sternsinger, Schülerinnen und Schüler, in Jugendgruppen und sonstigen kirchlichen Gruppen engagiert, während "nebenbei" N.N. seine Untaten verrichtete.
Wir haben offiziell kaum je ein Wort des Bedauerns gehört, geschweige denn, eine Entschuldigung oder gar eine Bitte um Verzeihung. 

Den heutigen Verantwortlichen im Kirchspiel Vimbuch werfen wir natürlich keine Mitschuld an den damaligen Geschehnissen vor. 
Auch im Erzbistum werden kaum mehr Personen sein, die damals vertuscht haben, Akten verschwinden ließen und Mitwisser waren. (siehe  Abschlussbericht der Arbeitsgruppe "Machtstrukturen und Aktenanalyse")

Allerdings lastet dieses Erbe des Missbrauchs im Kirchspiel Vimbuch immer noch auf den Betroffenen, deren Familien (Sekundärbetroffene), dem Kirchspiel und der ganzen Gemeinde.
Wir meinen, dass sowohl das Kirchspiel Vimbuch als auch das Erzbistum die Pflicht haben, dieses Erbe aufzuarbeiten. 
Wir wollen, dass endlich Transparenz, Klarheit, Zahlen und Fakten an die Öffentlichkeit kommen, damit diese sich ein genaues Bild machen kann.
Erschütternd genug wird es für viele sein, die die ganze Thematik nur am Rande mitbekommen haben, und für die Betroffenen sowieso.

Am Ende bleibt zu sagen, dass wir froh sind über unseren eingeschlagenen Weg, und dass das Erzbistum Freiburg sich bereit erklärt hat, diesen Weg mitzugehen und uns zu unterstützen.

Wir als Gruppe wollen die jahrzehntelang andauernde Sprachlosigkeit überwinden. Diese wurde von ehemaligen Verantwortlichen des Erzbistums und vom "System Kirche" damals quasi verordnet. Diese Sprachlosigkeit, die auch im Kirchspiel Vimbuch lange Jahrzehnte normal war und nicht hinterfragt wurde, die selbst für die Betroffenen Alltag war, wollen wir hinter uns lassen und in einen lebendigen Austausch kommen.

Psychologische oder Therapeutische Hilfestellung können wir leider nicht geben. 

Wir verstehen uns aber als eine erste Anlaufstelle, um anderen Betroffenen unsere Erfahrungen  mit offiziellen Stellen wie z.B. die externe Missbrauchsbeauftragte,  weiter zu geben und bei Fragen zu Antragsstellungen usw. zu helfen (siehe Adressen).  Auch der regelmäßige Austausch über das Erlebte ist uns wichtig, aber nur soweit, wie jeder und jede sich öffnen möchte.
Dazu sind wir auch in Gesprächen mit Therapeuten, die uns zukünftig hoffentlich unterstützen können.