AKTUELLES
Stand 27.02.2026
KURZER RÜCKBLICK SEIT DER VERÖFFENTLICHUNG UNSERER HOMEPAGE IM NOVEMBER 2025:
Es haben sich sowohl in der Hauptsache Betroffene, als auch nicht direkt betroffene Menschen über unsere Homepage mit uns in Kontakt gesetzt und uns ihre Meinung (anonym) zu der Thematik „sexueller Missbrauch im Kirchspiel Vimbuch und Weitenung“ mitgeteilt. Der überwiegende Teil der Menschen, die sich gemeldet hatten, steht unserem Bemühen um Aufarbeitung positiv gegenüber. Es gab auch (wenige) ablehnende Kommentare, die wir natürlich vollkommen respektieren. Jede Meinung ist berechtigt.
Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr Menschen, die das Thema bewegt, mit uns in Verbindung setzen würden, um zusammen mit uns Ideen zur Aufarbeitung zu entwickeln und um Meinungen von verschiedensten Seiten zu hören.
Interessierte Betroffene, die das Gefühl haben, über ihr Erlebtes im geschützten Rahmen unserer Gruppe sprechen zu wollen, sind herzlich willkommen.
Therapeutische Hilfe/Gespräche
Seit einiger Zeit haben wir Unterstützung von fachlicher Seite durch die Institution „Aufschrei!“ in Offenburg, bei der Betroffene sich mitteilen, aussprechen und ihre Geschichte erzählen können. Es finden im Moment regelmäßige Gespräche von verschiedenen Betroffenen mit „Aufschrei!“ statt. (Ca. einmal im Monat). Der Kontakt wurde dankenswerterweise über das Büro des Generalvikars vermittelt.
AKTUELLER STAND/ERLÄUTERUNGEN/ZIELE:
Gespräche mit dem Erzbistum und dem Kirchspiel Vimbuch
Zur Zeit führen wir Gespräche mit dem Erzbistum (Büro Generalvikar) und dem Kirchspiel Vimbuch, in denen es um die Frage geht, wie in Vimbuch eine Aufarbeitung des Missbrauchs unter Beachtung aller bestehenden Meinungen und Strömungen im Ort zu diesem Thema möglich werden kann.
Unterschiedliche Perspektiven und Einstellungen – alle sind berechtigt
Der sexuelle Missbrauch, der im Kirchspiel Vimbuch und in Weitenung insgesamt über 25 Jahre stattgefunden hat (in den Jahren zwischen 1965 und 1990), beschäftigt in der Gemeinde immer noch sehr viele Menschen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Einstellungen, Vorstellungen und Meinungen zum Geschehenen.
So gibt es Betroffene und Angehörige, die es für sich als erledigt betrachten, weil sie den Missbrauch verarbeitet haben und in Ruhe leben möchten. Und gibt es Menschen, die denken, dass alles schon so lange her ist und endlich Gras über die Sache wachsen solle. Wieder andere tragen den Missbrauch mit sich herum, halten ihn in sich versteckt und haben keine Therapie in Anspruch genommen, leiden aber darunter. Manche würden sich gerne äußern und über den Missbrauch sprechen, getrauen sich aber nicht.
Wir als Betroffenengruppe akzeptieren und achten jede einzelne Meinung und jede dieser Strömungen, da jeweils berechtigte Bedürfnisse und Anliegen hinter diesen Einstellungen stehen. Gleichzeitig meinen wir, dass die Dimensionen dieses Missbrauchs so groß sind, dass sie unser Dorf in Form von individuellen und kollektiven Traumata auch Jahrzehnte nach den Taten so stark belasten, dass wir darüber nicht schweigen sollten … und dass wir uns allen die Chance zur Aufarbeitung im Sinne eines (vielleicht kleinen) Beitrags zur Heilung geben sollten.
Warum Aufarbeitung notwendig ist
Nur durch offenes Sprechen können wir …
- … Erkenntnisse gewinnen über das, was tatsächlich geschehen ist
- … Gegenseitiges Verständnis aufbauen, um Vermutungen und Gerüchte zu vermeiden
- … Transgenerationale Auswirkungen auflösen – denn unbearbeitete Traumata wirken sich auf Familien und die ganze Gemeinde über viele Generationen hinweg aus.
Unsere Vision: Ein Ort für offene Gespräche
In unseren Gesprächen mit dem Erzbistum und dem Kirchspiel Vimbuch suchen wir nach Wegen und Ideen, wie eine fruchtbare Aufarbeitung in der Gemeinde gelingen kann und wie wir auch einzelne Interessierte oder Gruppen aus der Gemeinde für einen Austausch über die Thematik gewinnen könnten.
Die Vision für die Zukunft wäre, verschiedene Gruppierungen und interessierte Betroffene/Menschen aus der Gemeinde an einen Tisch zu bekommen, um die jahrzehntelange Sprachlosigkeit über dieses Missbrauchsgeschehen zu überwinden:
Ein (Dialog-)Raum, in dem …
- … emotionale Hintergründe ausgesprochen werden können
- … tatsächliche Fakten und Wissen erfasst werden – statt Vermutungen
- … Betroffene im geschützten Rahmen Gesicht zeigen und wahrgenommen werden können (wie wir das in unserer Gruppe praktizieren)
- … ehrliche, offene Gespräche stattfinden – ohne Schuldzuweisungen, sondern mit
offenem Ohr.
Das Ziel: Weniger Einsamkeit, mehr Kraft
Das könnte dazu führen, dass Betroffene und Angehörige sich nicht mehr alleine fühlen und letztendlich mit ihrer eigenen Situation besser umgehen können. Und es könnte ein Beitrag für das Zusammenleben in unserem Dorf insgesamt sein. Das wäre aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt für unsere Gemeinde.
Unsere Gruppe hat sich viele Gedanken über mögliche Formen der Aufarbeitung gemacht.
Dazu haben wir dem Erzbistum und dem Kirchspiel Vimbuch auch eine Veranstaltungsreihe vorgeschlagen, die als Grundlage dienen kann und die wir neben den oben genannten Punkten gemeinsam weiter ausarbeiten und vertiefen wollen.
Dabei sind folgende Bereiche denkbar:
- Diverse Vorträge von Fachleuten zum Thema sexueller Missbrauch (z.B. was bedeutet sexueller Missbrauch und was sind die Folgen davon). Auch Ausstellungen zum Thema wären denkbar.
- Genaueres Hinschauen zu den damaligen Geschehnissen (Ursachen, Gründe, Wegschauen usw.) und Klärungsversuche dazu.
- Aktuelle Formen der Prävention, Konsequenzen der Kirche, heutiger Umgang Verantwortlicher mit angezeigten Vorfällen.
Termine und Formen der Umsetzung müssen noch gefunden und festgelegt werden. Wir werden an dieser Stelle weiter informieren.
Anlaufstelle für Betroffene
Wir wollen für alle Interessierten, auch Sekundärbetroffene, eine erste Anlaufstelle zum Austausch sein. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, über das Geschehene sprechen zu können.
Dazu haben wir, im Moment noch, unregelmäßige Treffen, bei denen wir uns sowohl austauschen als auch organisatorische Dinge besprechen.
Ausdrücklich weisen wir aber darauf hin, dass wir als Gruppe keine therapeutische oder psychologische Hilfestellung geben können.
Wie bereits weiter oben unter "Aktuelles" beschrieben, haben wir zur Zeit regelmäßige monatliche Treffen mit Fachpersonen von "Aufschrei!" in Offenburg, die verschieden Betroffene unterstützen und begleiten.
Ziele in Bezug auf das Erzbistum
Wir wollen von der Leitung des Erzbistums eine öffentliche Erklärung und Schuldübernahme in einer Veranstaltung in Vimbuch vor der Gemeinde und der Öffentlichkeit.
Wunsch nach Unterstützung durch das Erzbistum für weitere Aufarbeitung vor Ort durch Gesprächsangebote für Betroffene, Vorträge u.a. sowie finanzielle Unterstützung dafür.
Auch fordern wir gerechtere Entschädigungszahlungen an die Betroffenen, besonders auch im Hinblick auf die Folgen, die der Missbrauch verursacht hat.
Ziele in Bezug auf das Kirchspiel Vimbuch
Öffentliche Veranstaltungen zum Thema "25 Jahre sexueller Missbrauch" vor Ort.
Es geht uns nicht um Schuldzuweisung, sondern um die Aufarbeitung des Geschehenen.
Trotzdem:
Das Kirchspiel Vimbuch hat, wie wir auch, diese schlimme Vergangenheit geerbt und wir hoffen auf ein Erkennen und auf die Einsicht der heutigen Verantwortlichen um die Dimension dieses Verbrechens.
Wir regen an, auf dem Kirchengelände eine Hinweistafel oder Stele mit Informationen über den Missbrauch im Kirchspiel anzubringen.